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Stress und Verteidigungs-Mechanismen

Stressbewältigung durch Abwehr-Mechanismen

Menschen benutzen Verteidigungsmechanismen, wenn innere oder äußere Stressfaktoren zu stark werden. 
Sie sind automatische Prozesse, die unsere Gefühle und die Dinge, die wir in uns aufnehmen, darauf limitieren, was wir gerade fähig sind zu ertragen. Wenn der Druck zu groß wird und wir uns nicht in der Lage fühlen, ein Gefühl oder eine Situation zu bewältigen, schalten sich diese Mechanismen ein, um uns zu schützen.
Ihre Reichweite geht
  • von hoch-funktional, wobei das Individuum sich seiner Gefühle, Ideen und den Konsequenzen der Mechanismen voll bewusst ist,
  • bis zu einem primitiven Level, wo Gefühle, Ideen und Konsequenzen völlig blockiert werden.

Ein einfacher Verteidigungsmechanismus kann angesichts einer bestimmten Situation auch hilfreich sein.
Jeder Mensch verwendet Verteidigungsmechanismen.
Was uns voneinander unterscheidet, ist die Art der Verwendung und die Anzahl.

In jeder Situation nur einen speziellen Mechanismus anzuwenden, ist nicht von Nutzen.
Alle Verteidigungsmechanismen haben die Funktion, uns zu schützen.
Sie unterschieden sich jedoch in ihrer Effektivität.
Wir sollten diese Mechanismen der Verteidigung mit verschiedenen Verteidigungslevel (von hoch-funktional bis sehr einfach) kennen und bewußter zur Meisterung von Stress-Situationen nutzen.

Stark anpassungsfähig 

(Auf dieser Ebene wird mit Stressoren auf eine gut funktionierende Weise umgegangen, mit vollem Bewusstsein für die eigenen Gedanken und Gefühle.)

  • Antizipation

(Die Fähigkeit, vorauszusehen, was zukünftige Ereignisse praktisch und emotional mit sich bringen werden. Das Individuum wägt verschiedene Verhaltensweisen ab und ahnt ihre Konsequenzen voraus.)

  • Affiliation

(Das Akzeptieren von Hilfe durch Andere.)

  • Altruismus

(Das Individuum bewältigt seine Stressoren dadurch, Anderen zu helfen.)

  • Humor

(Man entscheidet sich dafür, die komischen Aspekte der Situation zu sehen.)

  • Selbstbehauptung

(Das Individuum drückt Gefühle und Gedanken direkt und angemessen aus.)

  • Selbstbeobachtung

(Das Individuum betrachtet und untersucht seine Gedanken, Gefühle, Motive und Verhaltensweisen, um eine nützliche Vorgehensweise auszuwählen.)

  • Sublimation

(Die Verwandlung von Stressoren in ein sozial akzeptables Verhalten, z.B. Boxen als Mittel, um mit Aggression umzugehen.)

  • Suppression

(Das Individuum vermeidet willentlich, an das unangenehme Gefühl zu denken.)

  • Mentale Hemmung

(Bedrohliche Gedanken, Emotionen, Wünsche oder Ängste werden aus dem Bewusstsein ausgeblendet.)

Hemmungslevel 

(Angst erzeugende Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Wünsche und Befürchtungen werden im aus dem Bewusstsein verdrängt.)

  • Verlagerung

(Das Individuum lenkt seine Gefühle auf ein Objekt oder einen anderen Ersatz. Wenn man sich z.B. den Zeh an einem Tisch stößt, verlagert man möglicherweise seinen Ärger auf den Tisch und nicht auf sich selbst.)

  • Loslösung

(Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen oder Erinnerungen, die normalerweise gut funktionieren, arbeiten nicht mehr.)

  • Intellektualisierung

(Die Vermeidung schmerzhafter Emotionen durch Verallgemeinerung und/oder Umgang mit dem Problem durch abstraktes Denken.)

  • Affektisolierung

(Das Individuum trennt das Kognitive und Emotionale voneinander. Die affektiven Elemente gehen verloren, wie z.B. Gefühle nach einem sexuellen Übergriff, während die kognitiven Elemente bestehen bleiben und man in der Lage ist, den Übergriff detailliert zu schildern.)

  • Gegenreaktion

(Das Zurechtkommen mit verbotenen Gedanken und Gefühlen durch gegenteilige Handlungen. Eine homosexuelle Person, die nicht in der Lage ist, ihre sexuelle Orientierung zuzugeben, vertritt z.B. vehement die Meinung, Homosexualität sei abstoßend und sollte verboten werden.)

  • Unterdrückung

(Unbehagen wird vom Bewusstsein verdrängt. Der emotionale Aspekt bleibt möglicherweise bestehen, allerdings ohne die damit verbundenen Gedanken.)

  • Annullierung

(Das Benutzen von Metaphern oder Verhaltensweisen, die unerwünschte Gedanken, Emotionen oder Handlungen verdecken.)

Geringfügige Verzerrung 

(Schutz des eigenen Selbstwertgefühls durch die Umformung der Realität)

  • Abwertung

(Zuordnung negativer oder abwertender Eigenschaften an sich selbst oder Andere.)

  • Idealisierung

(Andere hochspielen und ihnen übertrieben positive Attribute zuschreiben.)

  • Allmacht

(Man bewertet sich selbst über und glaubt, bestimmte Fähigkeiten zu haben, die einen besser machen als Andere.)

  • Verleugnung

(Das Individuum hält unerwünschte Ereignisse von seinem Bewusstsein fern.)

Abstreiten 

(Ableugnen von Fakten, die offensichtlich sind)

  • Projektion

(Zuweisung unerwünschter Gedanken, Gefühle und Impulse and Andere. Zum Beispiel: Anstatt sich mit der eigenen depressiven Erkrankung auseinanderzusetzen, sagt der Betroffene Anderen, sie seien unglücklich und sollten sich wegen Depression behandeln lassen.)

  • Rationalisierung

(Wenn die wirklichen Gründe für ein Problem zu schwer zu akzeptieren sind, werden Entschuldigungen gesucht, wie z.B. das Versagen bei einer Prüfung wird durch äußere Umstände, wie Lärm oder eine Erkältung, erklärt.)

Starke Verzerrung 

(Das Individuum zeigt eine verzerrte Wahrnehmung der Realität)

  • Autistische Fantasie

(Sich Fantasien hingeben, um dem wirklichen Problem zu entkommen.)

  • Projektive Identifikation

(Ähnlich der „Pojektion“ siehe oben, doch hier identifiziert sich der Rezipient mit dem projizierten mentalen Inhalt. Er beginnt beispielsweise, sich traurig und deprimiert zu fühlen.)

  • Spaltung

(Das Individuum ist unfähig, zwei miteinander im Konflikt liegende Gefühle zu verflechten und teilt alles in Schwarz und Weiß ein, ohne Zwischenraum. Das Ergebnis: Das Individuum empfindet sich selbst und Andere entweder als fantastisch oder als wertlos, usw. Diese Gegensätze wechseln je nach dem momentanen Gefühlszustand des Einzelnen.)

Aktion 

(Das Individuum handelt entweder oder zieht sich von den Stressoren zurück)

  • „Ausrasten“

(Anstatt mit dem Problem konstruktiv umzugehen, reagiert das Individuum mit Aggression.)

  • Apathischer Rückzug

(Die Stressoren sind so stark, dass der Körper bestimmte Funktionen vollständig einstellt.)

  • Hilfeverweigerndes Klagen

(Das Individuum klagt und bittet um Hilfe, verweigert diese jedoch, wenn sie sie angeboten bekommt.)

  • Passive Aggression

(Indirekter Ausdruck von Aggression gegen Andere, häufig verbunden mit vorgetäuschter Fügsamkeit.)

Defensive Dysregulation 

(Das Individuum verliert fast oder ganz den Bezug zur Realität.)

  • Wahnhafte Projektion

(Das Individuum misst Anderen Gedanken, Gefühle und Impulse zu, die nicht der Realität entsprechen. )

  • Psychotisches Verleugnen

(Eine schwerere Form des Verleugnens, mit nur wenig oder gar keinem Kontakt zur Realität.)

  • Psychotische Verzerrung

(Die Wirklichkeit wird nicht so wahrgenommen wie von anderen Menschen. Das Individuum transformiert die Realität, um mit dem Schmerz umzugehen.)

Quelle/Anregung: https://web4health.info/de/answers/psy-defense-mechanism.htm

Ressourcen:

Anna Freud: Das Ich und die Abwehrmechanismen

Der hiermit in der siebzehnten Auflage vorliegende Band gehört zu den unentbehrlichen Lehrbüchern der Psychoanalyse. Anna Freud, die Tochter Sigmund Freuds, tritt mit ihrem Buch der Meinung entgegen, die Psychoanalyse beschäftige sich ausschließlich mit dem Unbewussten. In Wahrheit sei das Objekt der Analyse immer das Ich und eine Störungen gewesen; die Erforschung des Unbewussten diene nur zu seiner Wiederherstellung. 
Im einzelnen werden Abwehrvorgänge des Ichs analysiert, zum Beispiel 
– die Verleugnung in der Phantasie, 
– die Ich-Einschränkung, 
– die Identifizierung mit dem Angreifer … 

Karl König: Abwehrmechanismen

Psychische Abwehr richtet sich von Beginn des Menschenlebens an gegen alles, was Angst oder Unlust hervorrufen könnte. Daran ist nichts Krankhaftes; jeder Mensch setzt Abwehrmechanismen ein, um sein Wohlbefinden und sein Gefühl der Sicherheit zu stärken.
Die Vielzahl bewusster und unbewusster Abwehrmechanismen, die unser Erleben wesentlich bestimmen, fächert Karl König anhand von Beispielsituationen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Psychotherapie auf.
– In der Therapie weisen spezifische Abwehrformen auf ihre zugrunde liegenden Konflikte, die so erkannt, ins Bewusstsein gehoben und bearbeitet werden können. Die Form der Abwehr erlaubt, wie die der Übertragung, den Blick auf die Genese der Konflikte.
– Im alltäglichen Leben eröffnet das Erkennen der eigenen Abwehrmechanismen wie auch der des Gegenübers einen weniger verkrampften Umgang mit neuen oder Angst machenden Situationen.

JAMIE DAVISON: Das Konzept der Abwehrmechanismen in Aktion:

Das Wissen um unterdrückte Impulse, Emotionen und Fantasien

Dieses zeitgemäße Buch, das Theorie, Forschung und praktische Anwendungen integriert, bietet eine umfassende Untersuchung der Abwehrmechanismen und ihrer Rolle sowohl in der normalen Entwicklung als auch in der Psychopathologie. Der Autor beschreibt, wie Kinder und Erwachsene bestimmte Arten von Abwehr mobilisieren, um ihr psychisches Gleichgewicht zu erhalten und ihr Selbstwertgefühl zu bewahren, insbesondere in Trauma- oder Stresssituationen. Sind Selbstverteidigung, nationale Kriegsführung und Revolten gegen die Tyrannei heilige Pflichten – oder Verletzungen des Willens Gottes? Pazifisten bestehen darauf, dass diese Handlungen die letzteren sind, die von der jüdisch-christlichen Moral verboten sind. Dieses Buch behauptet, dass die Pazifisten falsch liegen. Um seine Argumente zu vertreten, analysiert der Autor den gesamten Bogen der jüdisch-christlichen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, wobei er Geschichte, Schriftanalyse und Philosophie kombiniert, um die Veränderungen und Kontinuität der jüdischen und christlichen Lehre über die Anwendung tödlicher Gewalt zu beschreiben. Er zeigt die sich wandelnden Denkmuster in beiden Religionen auf und präsentiert die stärksten Argumente auf beiden Seiten des Themas. Viele anschauliche Beispiele veranschaulichen, wie diese Mechanismen im Alltag aussehen; die Auswirkungen von Alter, Geschlecht und Persönlichkeitsunterschieden; was passiert, wenn Abwehrmechanismen maladaptiv eingesetzt werden; und wie sie durch Psychotherapie beeinflusst werden. Herausforderungen bei der Bewertung werden betrachtet und empirisch gestützte Instrumente und Ansätze werden vertieft diskutiert.

 

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